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Geisterfahrer

Geisterfahrer

Vorneweg: Es geht um Politik, um solche, die es sich bequem gemacht hat. Nicht hinterm Ofen, eher dort, wo man lebendig scheint und doch nichts bewegt: in den Institutionen der Politik im Jahre 1986. So dreht sich Geisterfahrer um den Wandel von oppositioneller Politik, von der selbstbewußten Kraft utopischer Entwürfe zu den kleinen Schritten der Realpolitik.
Wir fragen nach dem Verhältnis der Linken zur Macht und erbleichen bei dem Gedanken, daß man über linke Politik nur noch sprechen kann, wenn man Parlament sagt, wenn über Geld gesprochen wird, über Netzwerke, Stadtwerke, Banken, Kreditgarantiegemeinschaften und institutionelle Bürokratie. Hinter "Geisterfahrer" steht die These, daß Sinnproduktion, auch der Entwurf einer besseren Gesellschaft, die produktive Aktivierung von Menschen nur außerhalb festgefügter Institutionen stattfinden kann. Die institutionelle Verengung beraubt diese Momente ihrer sinnproduktiven, mobilisierenden Kraft.
 
Der Gestus eines grünen Parlamentariers, der sich auf die Anarchie beruft, der eines Ministeramtskandidaten, der sich noch immer als Arm einer Bewegung verstanden wissen will, die Ökobank, die Bewegung in die "Bewegung" bringen soll...- all dies macht die prekäre Situation der politischen Kultur im Deutschland der 80er Jahre aus.
 
Zeitgeist - Geisterzeit - so dachten wir, es lohnt sich, den Versuch zu unternehmen, der politischen und alternativ wirtschaftlichen Geschäftigkeit einmal in die Karten zu schauen: wir sind in einer Geisterbahn eingestiegen, hinter uns saßen Ernst Bloch und Rudi Dutschke, nicht aufhörend, über eine bessere Welt zu diskutieren. Wir haben Jo Leinen, den Öko-Märchenprinzen der SPD im Wahlkampf 1986 begleitet, sind den grünen Strategen auf den Pelz gerückt, haben uns im Parlament umgesehen, durften die Gründung einer alternativen Bank miterleben. Wir waren am Wackersdorfer Zaun, bei der Vereidigung Joschka Fischers als erster grüner Minister, wir speisten mit dem Vizekönig und jagten indische Tiger.
 
Geisterfahrer: Es ist nicht alles wahr, was man mit den Augen sieht, und was man mit den Augen sieht, ist nicht Alles. Eine verkehrte Welt wird auf den Kopf gestellt und das Ergebnis: Realität oder Fiktion?

1986 90 Min., Video/Ditigal-Technik
Regie: Pepe Danquart
Buch: Quinte/Danquart/Rotermund
Schnitt: Pepe Danquart, Mirjam Quinte, Bertram Rotermund
Texte: Mathias Deutschmann
Musik: Cornelius Schwehr
Videotricks:
Bertram Rotermund
Produktion: Mirjam Quinte, Medienwerkstatt mit Unterstützung von ZDF (Kleines Fernsehspiel)
Verleih/Weltvertrieb: Medienwerkstatt Freiburg
Festival: Leibzig, Duisburg, Rotterdam, Videoforum Freiburg, Mainzer Tage der Fernsehkritik u.a

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