HeaderImage: 

Im Herzen des Lichts - Die Nacht der Primadonnen

Manchmal gibt es glückliche Konstellationen. André Heller hat einen schönen, faszinierenden Plan und alle die er sich für dessen Verwirklichung wünscht, schaffen sich zum richtigen Zeitpunkt die Möglichkeit mitzuwirken.
Die gewünschten Personen sind nicht weniger als zwölf der bedeutendsten Sängerinnen unserer Zeit, von der Primadonna Assoluta der Klassik Jessey Norman zu Afrikas exzentrischer Liedkönigin Ami Koita, von Israels betörender Stimme Noa zur First lady de Jazz Dee Dee Bridgewater.
 
 
Der bedeutendste Lichtdesigner der Welt Patrick Woodroffe nimmt sich hierfür eine 14 tägige Auszeit von den Proben für die Rolling Stones Tournee und der Oscarpreisträger Pepe Danquart erklärt sich bereit das Ereignis in und unter dem griechischen Amphitheater von Taormina in Bilder zu verwandeln. ORF und ARTE leisten sich das einzigartige Vergnügen und das Ergebnis ist von jener, so selten, erreichbaren Qualität die keine empfohlene Aufbrauchfrist kennt.
 
Es ist die poetische Dokumentation eines von Heller erdachten und inszenierten Mythos: Alle 33 Jahre versammeln sich weibliche Meisterstimmen unterschiedlichster Stile und Kulturen um einander in einer geheimen Höhle Siziliens mit der Macht der Gesänge zu ermutigen und energetisch aufzuladen. Das Ritual dauert von Sonnenuntergang zu Sonnenaufgang. Unser Film zeigt daraus 70 Minuten. Keine Belehrungen und Erklärungen zerstören die Spannung. Keine ethnologische Feldstudie, keine Konferenzen erleben wir, sondern ein Fest charismatischer Künstlerinnen das zwischen Euphorie und Melancholie oszilliert. Ein ideales Ereignis für Zuschauer und Zuhörer die zur Hingabe an ein Kunstwerk bereit sind und substanzielle Alternativen zu den, häufig kurzlebigen, Videaocliphysterien suchen.
 
 
Fantastisch ist das Adjektiv zu Fantasie.
Bemerkung zur filmischen Umsetzung von Pepe Danquart.
 
Fantastisch ist das Adjektiv zu Fantasie. Fantastisch war das Ereignis, fantastisch die Arbeit am Film. Es war wie Malerei mit der Filmkamera. Ein Spiel mit Licht, Gesang und Bewegung. Kein stereotypes Abfilmen eines Ereignisses. Die Kamera wurde Musik, das Lied zur Bewegung, das Licht zum Tanz. Jeder und jede in diesem mythischen Raum, ob vor oder hinter den Kameras, verflossen miteinander, wurden eins für den Augenblick. Das erforderte später erhöhtes Feingefühl beim Schnitt. Es gab ja keine Vorbilder, kein festgelegter Ablauf, kein mir bekanntes visuelles Format, an dem ich mich orientieren konnte. Wir waren konfrontiert mit einem musikalischen Ritual unter Frauen, im imaginären Raum, das aus dem Zauber einer Nacht heraus enstand - ein dialogischer Film ohne Worte ist das Ergebnis.
Spannung war zu bauen aus der Vielfältigkeit der Emotionen, den musikalischen Stimmungen, des atmosphärischen Moments. Dies alles gelang mit hervorragenden Mitarbeitern an der Kamera, am Licht, beim Schnitt. Wir alle fühlten (und filmten nicht nur) Musik während dieser Arbeit, wurden Teil dieser Zeremonie, nicht bloße Betrachter. Als es vorbei war, wir wieder in der realen Welt, fühlten wir uns - fantastisch.
Ich bin sicher, dem/r Zuschauer/in ergeht es genauso.

Im Herzen des Lichts - Die Nacht der Primadonnen

(Musikfilm)
2002 85 Min., 35mm
 
Regie: Pepe Danquart
Buch: Andrè Heller
Kamera: Wolfgang Thaler, Ciro Cappellari, Peter Kappel
Licht: Patrick Woodroff
Schnitt: Britta Nahler, Score
Musik: Walter Cikan
Produzent:Danny Krausz + Kurt Stocker
Produktion: Dor Film GmbH und Heller Werkstatt, Wien
 
Starring: Jessey Norman, Noa, Dee Dee Bridgewater, Esma Rezepova, Amal Murkus, Amy Koita, Cristina Branco, Sheila Chantra, Sainkho, Lina Sastri, Uxia, Haris Alexiou
mit Unterstützung von arte und ORF
Redaktion: H.R. Eisenhauer, Wolfgang Lorenz
Festival: Biarritz, Montreal, Festival des Liedes (Lörrach, Eröffnungsfilm), Taormina (Italy)
 
www.dor-film.at

HeaderImage: 
Im Herzen des Lichts